Thailand – Im Land des Lächelns

Strand in Thailand

Nici und ich haben uns im Mai 2015 erstmalig als Luxus-Backpacker zwei Wochen nach Thailand gewagt und das Land des Lächelns kennen gelernt. Es ging von Frankfurt aus in den Norden von Thailand nach Chiang Mai und dann weiter nach Bangkok, um die (Ab-)Luft von zwölf Millionen Menschen zu schnuppern. Danach wurde es geruhsam: In Nai Harn auf Phuket haben wir ein kleines Stück Paradies gefunden. Mit Phuket-Town kennen wir jetzt die langweiligste Touristenstadt Thailands und das Paradise-Ressort auf der kleinen Insel Yao Noi in der Phang-Nga-Bucht war der würdige und extrem-entspannende Abschluss unserer Tour durch Thailand.

Jeder Tag unserer zweiwöchigen Reise wollte ein paar großartige Momente loswerden, die ich hier für Euch festgehalten habe:

1. Tag: Hallo Chiang Mai

Puh. Krasser Moment. Du sitzt gefühlte zwölf Millionen Stunden im Flugzeug, in das Du bei 8 Grad eingestiegen bist. Und dann steigst Du aus und es sind 34 Grad und Du denkst: „Wie soll ich das zwei Wochen durchstehen?“ Also kurz ins Guesthouse, zusammenbrechen, das dritte Reserve-T-Shirt überwerfen und raus, die Gegend kennen lernen, das erste kalte Leo-Bier reinschütten, die erste „a little bit spicy“-Speise runterschlingen (und hoffen, das der nächste Tag nicht zuuuu schlimm wird) und die ersten 15 Tempel ankucken. Mein Kollege Jörg hat zu Chiang Mai übrigens auch ein paar schöne Bilder in das Internet reingetan.

2. Tag: Trip nach Lamphun

Es geht ja nicht immer alles gut. So wollten wir gerne ins 25 Kilometer entfernte Lamphun fahren. Mit dem Bus. Gereizt hat uns, dass die Stadt ihren ursprünglich-thailändischen Charme bewahren konnte. Stand zumindest im Reiseführer. Nachdem wir 2,5 Stunden gewartet hatten, bis der Bus fuhr, waren wir dann auch um 15:30 Uhr zehn lange Minuten in Lamphun. Leider fuhr der letzte Bus um 15:40 Uhr zurück. Ist irgendwie, wie in Deutschland, wenn man am Wochenende vom Dorf wegmöchte … Immerhin: Wir waren um ein leckeres Essen und eine ekelhafte Klo-Erfahrung reicher. Abends besuchten wir den Saturday Market in Chiang Mai, der wirklich schön (und voll) war. Aber nicht voll mit Touristen, sondern mit Thais.

3. Tag: Dschungel-Trekking

Unser Guesthouse-Host gab uns für einen Ausflug den Tipp, den mit Something Different Tours zu machen. Die machen zwei Dinge sehr gut: 1. Sie bieten kein Elefantenreiten an. 2. Sie machen kein „Beer Trekking“ mit 30 Leuten pro Gruppe. So fanden wir uns zu zweit in einem Jeep mit Fahrer und zwei Guides wieder, die uns den ganzen Tag über Reisterrassen, durch den Urwald und in Wasserfälle gejagt haben – ohne, dass wir andere Menschen sehen mussten. Wie großartig! Los ging es mit einer Fahrt in die Berge in ein wirklich verrottetes und einfaches Bergdorf des Karen-Volkes und von da in den Dschungel. Schnell gelernt haben wir, dass der Wald und die Reisterrassen in der Regenzeit wesentlich mehr hermachen, als in der Trockenzeit. Da war jetzt nicht soooo viel knallgrün, beeindruckend ist es trotzdem. Und die Wasserfälle sind großartig, wenn im Wald um 13:00 Uhr plötzlich knapp 40 Grad sind. Im Schatten. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie schön es war, gegen 17:00 Uhr im Jeep zu sitzen und auf 16 Grad runtergekühlt zu werden.

4. Tag: Wat Doi Suthep / Im Bus nach Bangkok

95% der Thailänder sind Bhuddisten und das, so fühlt es sich an, ziemlich überzeugte. Das macht, dass an jeder Ecke ein Wat steht. So nennen die Thais ihre Tempel. Wats sind als Urlaubsattraktion in etwa so spannend, wie katholische Dorfkirchen. Sind hübsch, aber wenn Du Dir drei angesehen hast, dann hast Du es verstanden. Allein in Chiang Mai gibt es übrigens 200 davon.

Auf dem Berg Doi Suthep in Chiang Mai steht allerdings ein bedeutendes Wat-Exemplar, das man besichtigen muss, um sagen zu können, man sei in Chiang Mai gewesen (sagen die Menschen in Chiang Mai). Also sind mir mit dem Mini-Bus hoch, haben unsere Knie und Schultern züchtig bedeckt, die Schuhe ausgezogen und haben uns das viele Gold und die vielen Bhuddas mal angeschaut. Neben der Tatsache, dass es da oben wieder bumswarm war, sah das viele Gold sehr hübsch aus.

Und dann war Chiang Mai auch schon Reisegeschichte. Der Bus nach Bangkok wartete auf uns. Ab und zu geht was  mit dem Bus schief (Ihr erinnert Euch an den 2. Tag?). Der superkomfortable Bus (mit freiem Wi-Fi, Fernsehen, Koks und Nutten) von Chiang Mai nach Bangkok entpuppte sich eher als Schrottkarre (ohne die vorgenannten Pluspunkte), deren Liegesitze quietschten, wie die Bumsunterlagen in einem Stundenhotel. Die Fahrt war so beschissen, dass ich vergessen habe, Fotos zu machen. Aber egal. Die sieben Euro waren gut investiert und wir in Bangkok.

5. Tag: Hallo Bangkok

Nach einer quälenden Nacht im verkackten Bus wurden wir gegen 7:00 Uhr in Bangkok in der Nähe der Khaosan Road ausgekippt und unserem Schicksal überlassen. Die Khaosan Road ist DAS Backpacker-Mekka. Sie bietet unendlich viele Bars, genauso viele wahnsinnig gammelige Hostels, alle möglichen Dinge, die Du kaufen kannst und keine Thailänder. Genau diese Straße ist auch daran schuld, dass viele Bangkok-Besucher nach zwei Tagen die Schnauze voll haben. Bewegst Du Dich weg, wirds besser. Nachdem wir also schlimmste Hostelzimmer besichtigt hatten, haben wir das Sleep With Inn in einer Nebenstraße gefunden, das eine ganz adrette Sicht auf die Dächer des Viertels bot und sonst auch ganz okay war. Und dann gings los, die Stadt erkunden. Das hieß dann erstmal: Schnell irgendwo unterstellen, weil es flotte zwei Stunden aus Eimern geregnet hat.

6. Tag: Bangkok von oben

So. Khaosan Road, China Town und das andere Gedöns abgehakt. Was machst Du dann? Wir dachten uns: Kucken wir uns das moderne Bangkok mal an. Ja. Damit ist die Geschichte auch zu Ende. Das moderne Bangkok ist wie jede Großstadt. Groß. Laut. Gesichtslos. Langweilig. Was es rausgerissen hat: Dass wir auf den Bayoke II Tower gefahren sind und in 328 Meter Höhe einen wirklich schönen Blick über die ganze Stadt bekommen haben. Die Aussichtsplattform ist glücklicherweise nicht hinter Glas und dreht sich schön langsam von selbst. Also: Rumstehen. Kucken. Staunen. Und dann wieder flott zurück in die Stadtteile mit mehr Charme. Zum Beispiel nach Thonburi, auf der anderen Seite des Chao Praya-Flusses.

7. Tag: Thonburi / Im Zug nach Surat Thani

Im Reiseführer stand, dass es noch das andere Bangkok gibt, in dem die Verstädterung noch nicht so stark fortgeschritten ist. Also haben wir uns am Vorabend ein Hotel gesucht, das Baan Wanglang Riverside gefunden, und haben einen fußwegreichen Tag da drüben verbracht.

In Thonburi gibt es übrigens tausende Floating Markets auf denen von Booten herunter alles mögliche verkauft wird. Wir haben nicht einen einzigen gefunden. Dafür viele Gassen, in denen uns zwei Stunden lang kein einziger Nicht-Asiate begegnet ist. An diesem Tag knüppelte die Sonne noch ein ganz bisschen mehr als sonst, so dass wir permanent nach schattigen Plätzchen suchen mussten. Mehr aus Verzweiflung turnten wir ine einen Thai Massage-Salon in einer Seitenstraße und bekamen dort, glaube ich, eine sehr authentische Thai Massage. Also ohne Happy End, ohne unendlich gut duftendes Öl, ohne flachbrüstige Massiermädchen, dafür aber mit lautem Fernseher, Gästen auf dem Sofa, die bei der Massage interessiert zuschaute und Schmerzen, wie ich sie fast noch nie hatte.

Damit war auch Bangkok Reisegeschichte, wir kletterten in den Nachtzug und rumpelten im tatsächlich gemütlichen Schlafwagen gen Süden.

8. Tag: Nai Harn

Also raus ausm Zug, rein in den nächsten klapperigen Bus und ab nach Phuket. Im Bus ist etwas Magisches passiert. Ich habe im dicken Reiseführer mal mehr als nur geblättert und ihn teilweise gelesen. Und dort den Ort Nai Harn im Süden von Phuket entdeckt, der noch nicht von Pauschaltouristen überrollt wurde. Der Ao Sane Beach am Rand des Ortes ist dann unser kleines Stückchen Paradies geworden. Am Strand sind eine kleine Tauchbasis, ein einfaches Lokal (in dem Du gut essen kannst) und 15 wirklich ranzige Bungalows, in denen Du eher nicht unter die Matratze kuckst und Dich auch nicht über die Brandspuren an der Decke wunderst. Jeder Bath, den Du dort bezahlst, ist für die großartige Lage, den geilen Blick und die Möglichkeit, morgens im Schlüppi im Regen ins Meer zu toben. Wirklich, wirklich, wirklich, wirklich, wirklich toll.

Der magische Reiseführer ist übrigens von Stefan Loose und heißt: „Thailand – Der Süden, Von Bangkok nach Penang“. Kauft ihn, wenn ihr in den Süden von Thailand wollt.

9. Tag: Phuket Town

Okay. Lassen wir das Paradies in Nai Harn hinter uns. Es ging zurück nach Phuket Town. Unsere Durchschlagübung bestand im Finden des lokalen Busses. Vorbei an Milliarden Taxifahrern (na gut: drei), die ihre Dienste für den zehnfachen Preis feilboten, fanden wir den Bus, der uns in die am wenigsten aufregende Episode unserer Reise verfrachtete. Phuket Town ist Tagesausflugsziel für Strandtouristen, die keinen Sand mehr sehen können – und damit ab 17:30 tot. Die Stadt bietet sonst hübsche alte portugiesische Kolonialhäuser, kleine Geschäfte mit zum Teil schönem Kram, die obligatorischen Garküchen und einen wahnsinnig drögen Nachtmarkt.

Geschlafen haben wir im 99 Oldtown Boutique Guesthouse, das sehr zentral gelegen ist und tatsächlich das „Boutique“ im Namen verdient – in einem Land, im dem jedes rotzige Dorm inzwischen „Boutique“ heißt.

10. Tag: Im Speed Boat ins Paradies

Die Insel Yao Noi sollte die letzte Station unserer Reise sein. „Yao“ heißt „lang“ und „noi“ heißt „klein“. Frei übersetzt kannste aber auch „am Arsch der Welt und abgeschnitten von allem“ sagen. Was für ein riesiges Glück! Die Insel mit beeindruckenden Kalksteinfelsen liegt in der Bucht von Phang Nga. Ko Phi Phi , die Hippieinsel aus Leonardo di Caprios „The Beach“ ist da auch um die Ecke. Naja, nicht ganz. Aber fast.

Wir fanden das Pier in Bang Rong flott und bestiegen das Speed Boat, dass uns auf die Insel brachte. Gleich nach der Ankunft wurde uns klar, dass wir jetzt ganz auf dem Land waren. Auf Yao Noi leben 6.000 Menschen, die vom Tourismus, vom Fischfang und von der Kautschukerzeugung leben. Sie sind mehrheitlich muslimisch – und das bedeutete, dass unser Plan, uns im einzigen örtlichen Supermarkt mit ein bisschen Bier einzudecken, vollkommen scheiterte. Da hatte sich der Marco Polo-Reiseführer, die den Seven Eleven als einzige Touristenattraktion der Insel nannte, schön getäuscht.

Unser Taxifahrer brachte uns dann über eine vermutliche Straße durch Kautschukplantagen zum Paradise Resort. Die Fahrt dauerte eine Stunde und war für alle eine Herausforderung. Wie das in der Regenzeit funktionieren soll, kann ich mir echt nicht vorstellen. Auf der Hotelwebsite wurde die Anreise auf dem Landweg als „beschwerlich“ beschrieben. Ich finde, sie war das letzte kleine Abenteuer der Reise, auch wenn ich blaue Flecken davon tragen musste.

Im Paradise @ Koh Yao-Resort begrüßen Sie Dich mit „Welcome to the Paradise“. Damit haben die Leute da recht. Das Hotel war eine der charmantesten, schönsten und liebevoll eingerichteten Schlafgelegenheiten, die ich jemals erlebt habe. Bevor ich darüber stundenlang referiere: Lest, was bei Tripadvisor steht (und ignoriert die Deppen, denen auch das Paradies nicht genug ist).

11. Tag: Rumpimmeln I

So ein Aufenthalt in einem *****-Resort am entspannenden Arsch der Welt macht, dass an einem Tag einfach mal fast nix passiert. An unserem elften und zwölften Tag war das so. Als Tageshighlight bietet sich dann erstmal nichts. Oder halt doch, bei der Durchsicht der Fotos: Kühles Leo-Bier und die Zweimann-Schaukel, die zu bedienen ich zu blöd war. Die Frau macht sich als Schaukel-Dekoration allerdings sehr gut.

12. Tag: Rumpimmeln II

Auch der zwölfte Tag stand im Zeichen der Erzeugung von Gammelfleisch. Mit Ausnahme einer einstündigen Aromatherapie-Massage im Spa und des aufkommenden Gewitters gibts nichts zu berichten.

A propos Gewitter. Seit dieser Nacht weiß ich, was ein tropisches Gewitter für einen Krach macht, wenn Es genau über Dir ist. So ein bisschen Angst in einem sonst friedlichen Urlaub belebt sehr, wenn Dich der Donner aus dem Tiefschlaf reißt.

13. Tag: Ausflug nach (der kleinen Insel hin)

Auf Yao Noi erlebst Du Ebbe und Flut. Das sieht erstmal schick aus, bedeutet andererseits aber, dass das Badevergnügen ein klein bisschen eingeschränkt ist. Das ist einer der Gründe, warum die Insel noch so schön von Touristen in Ruhe gelassen wird. Unser schlaues Hotel bot einen kostenlosen Transfer auf eine ganz kleine Nachbarinsel an, auf der die Ebbe nicht so ins Gewicht fällt. Dort waren wir schwimmen und schnorcheln.

Unser Glück: Wer früh kommt, wird nicht von den Insel-Hopping-Gruppen belästigt, die viel Geld dafür bezahlen, an einem Tag eine Handvoll Inseln dieser Machart für jeweils eine halbe Stunde zu sehen. Als es voll wurde, sind wir wieder abgehauen und haben uns im Hotel dem Rumpimmeln am Strand hingegeben.

Ach ja: Der Guide hat den Namen der Insel bestimmt 1.000 Mal gesagt. Hab ihn mir aber nicht gemerkt. Darum heißt die Insel „(der kleinen Insel hin)“.

14. Tag: Tschüssi Paradies

Und dann kam um 16:00 Uhr dieser traurige Moment, in dem wir in das Boot des Hotels steigen mussten, dass uns Richtung Flughafen brachte. Unsere Tränchen verflogen jedoch schnell.

Der Grund: Das Boot war neu und unsere beiden Thai-Kapitäne hatten Lust, zu probieren, was es kann. Also fahren wir die Strecke mit Vollgas. Einer steuerte und einer saß hinten und kuckte, was die Motoren so für Geräusche machen (na gut: er hat im Sitzen in der Sonne gepennt). Die See stellte sich als ein wenig „bumpy“ heraus und Nici saß am Ende mit ein paar Prellungen am Rücken im Flugzeug.

Und dann landeten wir einen Tag später morgens um 7:00 in Frankfurt. Die schöne Reise war vorbei und so langsam verfliegt auch die Trauer. Thailand sieht mich auf jeden Fall wieder. Und den Rucksack habe ich dann auch nicht zum letzten Mal aufgehabt. Für manche Erkenntnisse brauchste halt 34 Jahre.

 

Ich habe alle Fotos in dieser Reisegeschichte mit meinem iPhone-Fotolieblingsspielzeug Hipstamatic gemacht. In jeder Reisegeschichte verwende ich eine eigene Kombination aus Linse und Film. Für unseren Urlaub in Thailand habe ich die Burke-Linse und den Shilshole-Film gewählt. Für den einen gibt das dann Fotos im verfaulten Look. Was mir an der Kombination gefällt sind die Betonung von Blautönen, das ziemlich krasse Überbelichten von hellen Bereichen – und der etwas gammelige Look ;-)

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