JAETTIPUSSI.DE - Michael Herfort

Dein Friseur in Wien

Verlassener Friseur-Laden in Wien
Verlassener Friseur-Laden in Wien

Hach! Wien! Es ist schwer, schon wieder ein Loblied auf diese tolle Stadt zu singen. Und auch diese Stadtansicht der österreichischen Hauptstadt beeindruckt mich enorm. Im Grunde ist das Bild dieses verlassenen Friseurladens ein totaler Schnappschuss, den ich nebenbei gemacht habe. Er zeigt mindestens zwei Dinge, die ich an Wien so großartig finde. Und zu diesen zwei Dingen gehört jedenfalls nicht der bescheuerte Lime-Roller. Der ist hier zwar ein nettes Schmuckstück im Bild - und darüber hinaus eine Sache, die mir in jeder großen Stadt total auf den Sack geht. Miet-Roller könnte ich immer direkt mit einem ordentlichen Tritt umkicken und liegen lassen.

Was ich an diesem Bild geil finde, sind zwei andere Dinge:

Es zeigt, dass Wien - besonders im Zentrum - eine Stadt ist, in der es (noch) viele Geschäfte gibt, die nicht zu einer Kette gehören. Und zugegeben: Das hier ist ein beschissenes Beispiel, weil niemand mehr in dem Geschäft drin ist. Wenn Du durch Wien läufst, siehst Du jedoch viele Einzelhändler oder Einzelunternehmen, bei denen Du noch richtigen Unternehmergeist siehst. Ketten, wie Deichmann oder Mediamarkt findest Du im Zentrum wirklich konzentriert an einzelnen Plätzen und nicht im ganzen Stadtzentrum.

Viele der Geschäfte sind lange - und oft ziemlich lange - am Markt. So wie dieser Friseur es auch war. Mir gefällt enorm dieser 60er-Jahre-Chick des Eingangs. Der trostlose und graue Putz und die wunderbar alte Typografie an diesem uralten Wiener Friseurgeschäft sind großartig. Der Schaukasten, leider leer, zeugt von einer guten Zeit, in der noch Schaubilder von Dauerwellenfrisuren à la mode waren. Die Trennung zwischen Damen und Herren hat irgendwie Stil. Mich erinnert das an die Friseuren Elfie Kolbe, die in der Schützenstraße in Hannover ansässig war und bei der ich gefühlte 1.000 Jahre Stammgast war.

Und natürlich ist mir bei Stromern durch Wien klar, dass es von diesen Geschäften immer weniger gibt. Meine Nostalgie-Sucht, die ich in Wien echt gut befriedigen kann, jauchzt jedoch, wenn ich an so einem Geschäft vorbei schlendere.

(Und der versteckte Punk in mir fragt sich, was wohl passieren wird, wenn ich diesen beknackten Rollter dort in die Fensterscheibe schmeißen würde. Aber das ist nur laut gedacht.)